Die Versorgungswerke in Deutschland stehen in letzter Zeit vermehrt in den Schlagzeilen. Insbesondere riskante Kapitalanlagen und damit verbundene Verluste stehen dabei im Fokus der Berichterstattung. So geriet in jüngster Zeit insbesondere das Versorgungswerk der Zahnärztekammer Berlin (VZB) ins Rampenlicht. Im Mittelpunkt stehen dabei fragwürdige Investments, wie etwa Beteiligungen an digitalen Versicherern. Aber auch soll unter anderem in Hotelprojekte, Ferienresorts und in eine Garnelen-Farm in Schleswig-Holstein investiert worden sein. Der Verlust? Nach vorläufigen Schätzungen voraussichtlich rund 1,1 Milliarden(!) Euro. In Anbetracht dessen, dass das Vermögen des VZB Ende 2024 noch bei 2,2 Milliarden Euro gelegen haben soll, scheint hier das Versorgungswerk die Hälfte seines Vermögens verloren zu haben. Nicht nur, dass die über 10.000 Mitglieder sich wohl ernsthafte Sorgen um ihre Rente machen. Auch der monatlich zu entrichtende Pflichtbeitrag soll gestiegen sein. Hier scheinen also die Mitglieder für die Verluste der VZB den Kopf hinhalten zu müssen.

Laut eines auf FOCUS Online in Kooperation mit Business Punk am 03.04.2025 erschienen Artikels habe auch das Altersversorgungswerk der Zahnärztekammer Niedersachsen mehrere Wertberichtigungen in Höhe von insgesamt 45 Mio. Euro vornehmen müssen. Dies habe der Vorsitzende des Altersversorgungswerks auf einer Mitgliederversammlung mitgeteilt. Bei gerade einmal 7.500 Mitgliedern mache dem Artikel zufolge der Verlust von 45 Mio. Euro „rund 6000 Euro Miese pro Nase“ aus.

Das Versorgungswerk der Ärztekammer Schleswig-Holstein musste ebenfalls Abschreibungen vornehmen. Dabei seien Kapitalanlagen in Höhe von 64 Mio. Euro in den Jahren 2022 bis 2024 abgeschrieben worden.

Rund 33 Mio. Euro habe das Versorgungswerk der Apothekerkammer Schleswig-Holstein 2024 außerplanmäßig abschreiben müssen, nachdem bereits 2023 außerplanmäßig 54,9 Mio. Euro abgeschrieben worden seien. Der Grund für die Abschreibungen sollen dabei riskante Immobilieninvestments sein.

Bei dem Versorgungswerk der Landesärztekammer Hessen wird der Verlust wohl viel höher ausfallen. So berichtete die InvestmentWeek am 26.05.2025, dass das Versorgungswerk bis zu 300 Mio. Euro mit riskanten Immobilienpapieren verloren habe. Dabei stamme der größte Teil der Verluste „aus einer Anleihe mit sogenannten Mezzanine-Finanzierungen – einem hybriden Finanzinstrument zwischen Eigen- und Fremdkapital.“

Die zahlreichen Verluste zeigen ein strukturelles Problem bei den Versorgungswerken. Es fehlt offensichtlich auch an einer umfassenden staatlichen Aufsicht. Gerade im Hinblick auf die hohen Investments wäre es daher angebracht, bestehende gesetzliche Regelungen dahingehend zu ändern, dass insbesondere die Kapitalanlagen der Versorgungswerke unter die Aufsicht der BaFin gestellt werden. Dies könnte zu einer Begrenzung hochriskanter Investments und etwaiger Anlagerisiken führen.

Literaturverzeichnis

– https://www.versicherungsbote.de/id/4947389/Versorgungswerk-der-Zahnaerzte-droht-Milliardenverlust/

– https://www.n-tv.de/wirtschaft/So-hat-ein-Versorgungswerk-die-Renten-seiner-Zahnaerzte-verzockt-id30429819.html

– https://www.rbb24.de/panorama/beitrag/2026/01/berlin-versorgungswerk-zahnarzt-rentenkasse-pruefer-verlust-verantwortung.html

– https://www.portfolio-institutionell.de/wenn-zahnaerzte-zu-wagniskapitalisten-werden/

– https://www.focus.de/finanzen/altersvorsorge/rente/versorgungswerke-unter-druck-zahnaerzteversicherung-verspekuliert-sich-mit-dem-geld-der-mitglieder_id_260752869.html

– https://www.aeksh.de/aerzteblatt/artikel/detail/versorgungswerk-abschreibungen-bereiten-keine-sorgen

– https://www.pharmazeutische-zeitung.de/versorgungswerk-schreibt-erneut-millionen-ab-156164/

– https://aporisk.de/102389-apotheken-nachrichten-von-heute-verlust-wird-strukturell,-sicherheit-wird-illusion,-kontrolle-wird-pflicht.html

– https://www.investmentweek.com/verspekuliert-mit-beton-wie-hessische-arzte-hunderttausende-gefahrden/